Alaaf und Helau – die Narren sind los!

Veröffentlicht am 02. Sep 2018 von TakeYourSweets Süßigkeiten.

Traditionell beginnt die so genannte „fünfte Jahreszeit“ bereits am 11. November um 11:11 Uhr. Überall heißt es ab dann in den Karnevalshochburgen „Alaaf“ oder „Helau“!

Richtig startet das närrische Spektakel in Städten wie Köln, Düsseldorf, Mainz oder Wiesbaden schließlich am Altweiberdonnerstag. Am Rosenmontag tummeln sich schließlich tausende bunt-verkleidete Jecken und Narren in den Straßen der Karnevalsstädte, es wird gelacht, Lärm gemacht, getanzt und natürlich ordentlich Kamelle (Süßigkeiten) gesammelt, die aus allen Himmelsrichtungen von den Prunkwagen auf das schräge Publikum hernieder rieseln.

Und natürlich wird nicht nur während, sondern auch nach dem Festumzug bis spät in die Nacht gefeiert, wobei natürlich auch ordentlich Alkohol fließt. Das bezeugen auch gängige Fastnachtsongs wie „Trink, trink Brüderlein trink“ oder „Schnaps, das war sein letztes Wort“.

Selbstverständlich wird auch die Politik mit aufwendig gestalteten Prunkwagen und spitzen Büttenreden auf die Schippe genommen. Politiker so richtig durch den Kakao ziehen, das geht nämlich besonders gut an Karneval, denn da herrscht im wahrsten Sinne des Wortes „Narrenfreiheit“.

Die närrische Tradition und das Fasten

Die Karnevalsbräuche hängen eng mit der christlichen Fastenzeit vor Ostern zusammen. Diese beginnt am Aschermittwoch und diente früher dazu, sich auf das Osterfest einzustimmen. Viele Menschen verzichteten während dieser Zeit auf Alkohol, Fleisch, Eier und Milchprodukte.

Heute sind es eher die lieb gewonnenen Gewohnheiten, wie Süßigkeiten, Fernsehen oder die Wii Konsole, denen so manch gläubiger Christ während der Fastenzeit den Rücken kehrt. Die bunte Karnevalszeit soll dazu beitragen, dass der Verzicht während des Fastens leichter fällt. Und so wird vor der Fastenzeit noch einmal richtig auf den Putz gehauen. Karneval ist also ein närrischer Ausnahmezustand, der Freude bringt und Verrücktes zulässt, jedoch eigentlich immer im Hinblick auf die nahende, entbehrungsreiche Fastenzeit.

Kleiner Närrischer Karnevalsknigge

1) Karneval, Fasching oder Fastnacht?

Prunksitzungen, Büttenreden und Narrenrufe sind selbstverständlich an Karneval an der Tagesordnung. Doch oft weiß kaum ein Jecke, woher die unterschiedlichen Bezeichnungen für die schrägste Zeit des Jahres überhaupt stammen und dass deutschlandweit unterschiedliche Fastnachtsrufe und Lieder Tradition haben. Um sich also im bunten Treiben nicht als Fastnachtstourist zu outen, solltet Ihr euch mit der jeweiligen Fastnachtstradition vertraut machen.

Im nördlichen Rheinland, z.B. in Köln, Bonn, Aachen und Leverkusen heißt das bunte Spektakel Karneval. Der Begriff Karneval ist seit dem 17. Jahrhundert belegt. Er stammt vom italienischen „Carnevale“. Das heißt übersetzt so viel wie „Fleisch lebe wohl“ und soll an die Fastenzeit erinnern.

In Süddeutschland, beispielsweise in Bayern, aber auch in Österreich und Sachsen wird der Karneval Fasching genannt. Das Wort kommt aus dem 13. Jahrhundert und stammt vom Begriff „vaschang“ bzw. „vastschang“ab, dem Fastnachtsausschank.

Am Abend vor Beginn der Fastenzeit wurde nämlich ein letztes Mal Alkohol ausgeschenkt. Dieser Fastentrunk wurde mit einem Freudenruf „Oho, vaschang!“ kombiniert. Daraus entwickelte sich in späteren Jahrhunderten das Wort Fasching.

Auch das Wort „Fastnacht“ hat seinen Ursprung im österlichen Fasten. Das Wort stammt aus dem Mittelhochdeutschen und zwar von „vas(t) (en)nacht“, der Nacht vor dem Fasten. Es war wie gesagt die Nacht, in der noch einmal ordentlich gefeiert wurde, bis am Aschermittwoch alles vorbei war. Gebräuchlich ist das Wort für den Mainzer Karneval und auch in Wiesbaden wird „Fassenacht“ gefeiert.

Übersicht über die Fastnachtshochburgen in ganz Deutschland

2) Narrenrufe

Genauso wie die Faschingsbegriffe, so sind auch die Narrenrufe in den Regionen und Städten Deutschlands sehr unterschiedlich. Es wird oft sogar als Fauxpas angesehen, wenn man selbst aus Unwissenheit den falschen verwendet. Daher hier noch eine kurze Übersicht, wo welcher Ruf gebräuchlich ist:

Der Karnevalsspruch Alaaf, der vor allem im Rheinland, z.B. in Köln, Bonn, Aachen oder Leverkusen gebräuchlich ist, stammt vermutlich von dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Trinkspruch „all af“ ab.

Ein Dreifaches Helau praktizieren die Jecken in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen), aber auch die Narren in Mainz (Rheinland-Pfalz) und Wiesbaden (Hessen). Im Norden Deutschlands ist eher ein frisches „Ahoi“ an der Tagesordnung, der Begriff kommt aus der Schifffahrt. Doch auch in der Pfalz ist er gebräuchlich. Die Saarländer hingegen haben aufgrund ihrer Nähe zu Frankreich, einen aus dem Französischen stammenden Narrenruf, das „Alleh hopp“, das vom französischen „Allez Hop“ stammt und los geht’s bedeutet.

3) Die Tradition der Büttenreden

Tatsächlich ist diese Tradition noch gar nicht so alt. Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert und zwar aus der Zeit der französischen Besatzer, die den Menschen westlich des Rheins politische Aktionen untersagten.

Daher trafen sich die Menschen zu heimlichen Versammlungen, um sich in geheimer Runde kritisch und humorvoll über politische Entwicklungen auszutauschen. Dieser Brauch gehört bis heute zur Karnevalsstradition. Es gilt, wer in die Bütt klettert, der darf über Alles und Jeden schimpfen, Kritik äußern und sich lustig machen.

Die Alemannische Fastnacht – Ein Überbleibsel alter Bräuche

Die Karnevalstradition hängt aber nicht nur von christlichen, sondern auch von heidnischen Bräuchen ab. Besonders das Verkleiden hat seinen Ursprung in heidnischen Frühlingsbräuchen vergangener Zeiten.

Am Ende des Winters verkleideten sich die Menschen als Geister und Dämonen und wurden dann symbolisch mit viel Lärm aus den Städten und Dörfern vertrieben. Damit sollten die Frühlingsgeister geweckt und der nahende Frühling begrüßt werden.

In Süddeutschland sowie in der Nordost- und Zentralschweiz gibt es diesen Brauch sogar noch immer an Fastnacht. Bei der schwäbisch-alemannischen Fastnacht verkleiden sich die Menschen mit bunten Kostümen und tragen aufwendig aus Holz gefertigte gruselige Masken, so genannte Larven. Die Kostüme wechseln übrigens nicht wie beim sonst bekannten Fasching oder Karneval, sondern werden in manchen Gegenden sogar von Generation zu Generation vererbt.

Es gibt allerlei gruselige Fastnachtsgestalten wie Teufel, Hexen, Wilde Leute, Sagen- und Tiergestalten aber auch Narrenkostüme. Und weil diese schwäbisch-alemannische Fastnachtstradition bereits so alt ist, wurde sie im Dezember 2014 in die nationale Liste der immateriellen Kulturerbe aufgenommen.

Karneval in anderen Ländern - So feiert die Welt Fasching

Der Karneval von Rio de Janeiro

Der berühmte Karneval von Rio hat sich aus einer einfachen Karnevalsparty entwickelt, die eine Sambaschule damals im Jahr 1932 veranstaltete. Heute gibt es etliche Sambaschulen in Rio de Janeiro, die das alljährliche gigantische Karnevalsspektakel organisieren und oft mit bis zu 5.000 Teilnehmern pro Schule vertreten sind.

Der Umzug besteht aus aufwendig gestalteten Mottowagen, Kostümen und lauter Musik, mit der durch die Straßen der brasilianischen Hauptstadt gezogen wird. Jedes Jahr zieht diese Karnevalssause auch tausende, tanz- und feierwütige Touristen zum Feiern an die Copacabana.

Maslenitsa: Die russische Faschingstradition

In Russland heißt Fasching Maslenitsa(Butterwoche) und wird Ende Februar bzw. Anfang März gefeiert. Die Festwoche heißt so, weil früher zu dieser Zeit vor allem Milchprodukte auf den Tisch kamen.

Höhepunkt des Festes ist ist der Tag der Vergebung. An diesem Tag bittet man um Entschuldigung und verzeiht einander. Gläubige gehen auch in die Kirche und bitten Gott um Vergebung all ihrer Sünden.

Kinder basteln für den Sonntag außerdem extra Maslenitsa-Puppen. Sie symbolisieren den Winter und werden in Vorfreude auf den nahenden Frühling verbrannt. Heute ist der russische Karneval ein richtiges Volksfest. Überall in den Städten und Grünanlagen gibt es Jahrmarktsbuden und Karussells, es finden maskierte Umzüge statt und an vielen Buden werden Blinis, heiße Pfannkuchen, als Symbol der Sonne verkauft, dazu gibt es Honig, Kaviar und Wodka.

Überall erklingt zudem Volksmusik und die Menschen messen sich in Wettkämpfen wie Pfahl klettern oder im Kampf mit gepolsterten Handschuhen. Vielerorts werden auch Kutschfahrten mit dem Pferdeschlitten angeboten.

Mardi Gras – der Wahnsinnskarneval von New Orleans

Das Mardi Gras-Spektakel, das jedes Jahr am Faschingsdienstag in New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana stattfindet und mit einem gigantischen Karnevalsumzug zelebriert wird, stammt vom französischen Mardi Gras ab und hängt ebenfalls mit der christlichen Fastentradition zusammen.

Von bunt geschmückten Festwagen fliegen grüne und purpurfarbene Perlenketten sowie Münzen in die Menschenmenge. Außerdem folgen den Wagen zahlreiche bunte verkleidete Gestalten. Die Menschen feiern das Fest auch daheim mit einem Königskuchen, dem King Cake, einem leckeren Kuchen mit Beeren, Zimt und Sahne, der violett sowie grün-gold verziert wird. In ihm ist eine kleine Figur versteckt, wer sie findet, muss im nächsten Jahr den Königskuchen ausgeben.

Carnevale di Venezia und andere italienische Faschingstraditionen

Besonders berühmt ist natürlich der Karneval in Venedig, der am Stefanitag (27.12.) beginnt und bis Aschermittwoch andauert. Mit seinen prunkvollen Kostümen und Masken ist er seit Langem weit über die Grenzen Italiens bekannt. Während des italienischen Karnevals finden außerdem Tier- und Herkuleskämpfe statt und als Highlight der Veranstaltung gibt es jedes Jahr ein gigantisches Feuerwerk.

Eine weitere italienische Karnevalshochburg ist Ivrea. Dort steht allerdings kein Faschingsumzug im eigentlichen Sinne, sondern eine riesige Orangenschlacht im Zentrum des Geschehens. Und auch in anderen Städten Italiens, wie Rom und Florenz wird Karneval gefeiert.

Im Norden wird lieber um die Wette gerodelt

Je weiter man in den Norden kommt, desto eher stehen zur Faschingszeit andere Traditionen im Mittelpunkt. Rosenmontag und Faschingsdienstag stehen in Finnland ganz im Zeichen des Rodelns. An Laskiainen so heißen die Feiertage, liefern sich besonders Studenten wilde Schlittenrennen, denn dem Glauben nach soll ausgiebiges Rodeln den Bauern eine gute Ernte bescheren.

In diesem Sinne Helau, bzw. Alaaf und denkt daran, am Aschermittwoch ist alles vorbei! Und wer keine Lust auf Fasten hat, der findet in unserem Online-Shop ganz sicher seine Lieblingssüßigkeit für die nächste Party oder den gemütlichen DVD-Abend mit Freunden.

Närrische Grüße vom TakeYourSweets-Team!

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Veröffentlicht in Kategorie: Wissenswertes

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